Die Westhang-Siedlung

Westhang-Siedlung

Westhang-Siedlung

Die Westhang-Siedlung besteht aus ca. vierzig Terrassen, die sich auf dem Luftbild gut erkennen lassen. Hier wurde von Hamazasp Khatchatryan ein Grubenhaus freigelegt, welches durch später eingetiefte Gruben massiv gestört war. Die Terrasse, auf der sich das Haus befand, war im Norden, Süden und Osten von einer Mauer umgeben, die sich bis zu einer Höhe von 1,20 m erhalten hatte. Trotz der Störungen konnten eine große tönerne Schüssel und ein verkohlter Baumstamm der Nutzungsphase zugeordnet werden. Es setzt die Nutzungsphase des Hauses in das späte 9./beginnende 8. Jh. v. Chr. Im Jahr 2011 wurde oberhalb des Hauses eine weitere Terrassierungsmauer ausgegraben, welche ebenfalls aus dieser Zeit stammt.

Bislang zeigen die Funde, dass die Besiedlung des Westhangs am Ende des 9./Beginn des 8. Jh. v. Chr. ein gewaltsames Ende nahm: eine Zeit, in welcher nach Ausweis der urartäischen Inschrift von Marmashen der urartäische König Argišti I. einen Feldzug gegen das Land Eriahis und die Stadt Irdaniu unternahm. Dabei gelangte er bis in das Land Išqigulu.

Westhang-Siedlung: Inschrift Argisti I in Marmashen

Inschrift Argisti I in Marmashen

Die Inschrift wurde an einem steilen Felsen oberhalb des Akhurian, etwa 15 km nordwestlich der Siedlung von Azatan, angebracht. Aufgrund des Anbringungsortes der Inschrift wird die Gegend um Gyumri mit dem Land Išqigulu identifiziert. Mit welchem Ort die erwähnte Stadt Irdaniu zu verbinden ist, lässt sich nicht sagen. Man wird sie aber sicherlich im Bereich der Shirak-Ebene lokalisieren können.

Die Westhang-Siedlung und Argišti I.

Der Feldzug Argištis I. führte zwangsläufig durch das Gebiet von Azatan und tangierte die Westhang-Siedlung. Aus den vielen erhaltenen Keilschriften der Urartäer, wie beispielsweise der großen Horhor-Inschrift an der Festung von Van, weiß man, dass die urartäischen Herrscher nicht besonders zimperlich mit den Besiegten umgingen. Die Horhor-Inschrift berichtet, dass Argišti I. von einem seiner Feldzüge 19.255 Knaben, 10.140 Krieger und 23.280 Frauen, also 52.675 Menschen mitbrachte, außerdem 1.104 Pferde, 3.5015 Stück Hornvieh und 101.829 Stück Kleinvieh. Einige der mitgebrachten Gefangenen tötete er, andere ließ er am Leben.

Die bislang nördlichste urartäische Inschrift stammt aus Hanak, in der Nähe des Çildir-Sees. Sie wurde ebenfalls in der Zeit Argištis I. verfasst und berichtet davon, dass der König auf seinem Feldzug 72.080 Rinder und 7.000+ (?) Menschen raubte. Auf seinem Weg zerstörte er sechs Festungen und brannte fünfzig Städte nieder.

Die genannten Zahlen sind insofern von Interesse, als dass sie zum einen das erste Mal einen Eindruck von der Siedlungsdichte im Bereich der Vanand- und Shirak-Ebenen geben, zum anderen eine Vorstellung des Verhältnisses von Festung und Siedlung vermitteln können. Die meisten spätbronzezeitlich-früheisenzeitlichen Siedlungen wurden nur aufgrund heute noch gut sichtbarer Festungen identifiziert. Die Zahlen der Inschrift verweisen darauf, dass uns bestenfalls ein Achtel der Siedlungen bekannt sind.

Kategorie Azatan, Grabungen 2011/2012, Siedlung

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

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