Westhang-Siedlung – Erkenntnisse der Grabung 2015

Mehr und mehr werden wir für unseren langen Atem bei der Grabung in der Westhang-Siedlung belohnt und können interessante Befunde freilegen.

Zunächst wurden zwei übereinander liegende Bebauungsphasen aufgedeckt, zu deren jüngster Phase ein komplett mit Steinpflaster ausgelegter Raum oder Hof gehört. Ob hier eine Dachkonstruktion anzunehmen ist, wird sich hoffentlich in den letzten verbleibenden Grabungstagen klären lassen.

Der gepflasterte Raum oder Hof wurde in einen großen Kurvenbau hineingesetzt, so dass er diesen z.T. zerstörte.

In den ungestörten Bereichen, insbesondere in einer Art Gang oder Erweiterung, fanden sich, neben anderen, in situ gut erhaltenen Funden, eine Steinplattform und eine Stein-Installation, deren Verwendung noch zu klären ist. Nahe dieser Konstruktion wurde der Rest eines Buttergefäßes in situ vorgefunden.

 

Oberhalb der Installationen entdeckten wir eine Nische in der Mauer. Von dort stammen zwei Gefäße die beim Kollaps der Wand in Mitleidenschaft gezogen wurden. Im Umlauf der Nische waren verschiedene Steine aufrecht gestellt.

Nachweis einer dritten Bebauungsphase während der Grabung 2015

Viele feste Lehmbrocken verweisen darauf, dass diese Nische wohl mit Stampflehm verkleidet war. Neben den Gefäßen lag ein zerbrochener Reibstein. Möglicherweise handelte es sich um eine Art Regal oder Ablage.

Der Reibstein ist kein Einzelfund. Es wurden derer viele in dem Kurvenbau gefunden, so dass man annehmen muss, dass hier in größerem Stil Getreide verarbeitet wurde. Diese Annahme wird durch den Fund zahlreicher Backplatten-Fragmente gestützt.

Heute konnte innerhalb des Kurvenbaus eine weitere, Ost-West verlaufende, Mauer freigelegt werden, die höchstwahrscheinlich früher als der Kurvenbau zu datieren ist. Damit zeichnen sich hier also seit Neuestem drei Bebauungsphasen ab. Diese werden uns hoffentlich helfen, die etwas schwierige Keramik-Chronologie in Transkaukasien genauer in den Griff zu bekommen.

Kategorie Azatan, Grabung 2015, Siedlung

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

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