Übersicht über das Grabungsgebiet

Grabungsgebiet Azatan

Das Grabungsgebiet bei Azatan erstreckt sich über zwei Hügel, den West- und den Ost-Hügel, auf einem Ausläufer des Pambak-Berglandes am Südrand der Shirak-Ebene. Durch ein tief eingeschnittenes, von Süden nach Norden verlaufendes Erosionstal (Canyon) werden die beiden Hügel voneinander getrennt. Auf der nach Norden und Westen steil abfallenden, östlichen Hügelkuppe erheben sich die eindrucksvollen Reste einer zyklopischen Befestigung. Zwei halbkreisförmige Mauerzüge riegeln die Hügelkuppe nach Osten und Süden ab, wo das seicht ansteigende Terrain keine natürliche Barriere bietet. Die Befestigungsanlage diente offenbar nicht nur als Verteidigungsanlage, sondern verwehrte ebenfalls den Zugang zum Canyon. Die Konturen des Westhügels sind weniger schroff. Seine zum Canyon hin abfallende Ostflanke ist durch zahlreiche Terrassen gegliedert.

Karte:

Ein weiterer Teil der Siedlung, der sich auf einem nördlich zur Ebene hin vorgelagerten Plateau befindet, war der Anlass für erste wissenschaftliche Untersuchungen. In den 1980er Jahren wurde dieses Areal von der sowjetischen Armee als Truppenübungsplatz benutzt. Von Spreng- und Schießübungen geben Metallfragmente und Einschlagkrater Zeugnis. Bislang ließen sich drei Nekropolen im Umkreis der Siedlung feststellen. Die mit großen Steinplatten abgedeckten Gräber sind im Gelände meist gut auszumachen.

Benjamin / vorerst abgeschlossen

Besiedlungsspuren nahe des heutigen Ortes Benjamin, der 1o km südlich von Gyumri, der Hauptstadt der Provinz Shirak liegt, vermitteln ein lebendiges Bild der Geschichte des nördlichen Armeniens vom mittleren 1. Jt. v. Chr. bis zum beginnenden 1. Jt. n. Chr. Dieser neue Siedlungsplatz kann als Nachfolger der nur wenige Kilometer nordöstlich entfernten, befestigten Höhensiedlung Azatan bezeichnet werden, die architektonisch wie keramisch noch ganz lokalen, früheisenzeitlichen Traditionen folgt. Unter achämenidischer Herrschaft im 5. und 4. Jh. v. Chr. verlor die Höhensiedlung an Bedeutung. Eine neue, unbefestigte Siedlung in der Ebene (Benjamin) tritt an deren Stelle.

Auf einem Hügel wurde ein kleiner Palast errichtet, der sich durch Verwendung von Glockenbasen achämenidischen Typs auszeichnet. Aufgrund dieser architektonisch aufwändig gestalteten Relikte ist davon auszugehen, dass es sich um den Palast eines achämenidischen Würdenträgers handelt. Diese repräsentative Anlage und westlich davon gelegene Bauten wurden von armenischen Archäologen und unter zeitweiliger Beteiligung französischer Kollegen freigelegt.Bis zur Zerstörung des Gebäudes am Ende des 2. Jh. v. Chr. erfährt dieser Bau mindestens zwei weitere Bauphasen. Im Sommer 2010 wurden geophysikalische Prospektionen im Westen und Süden des Hügels sowie an dessen Süd- und Südosthang durchgeführt. Diese erbrachten trotz der Störungen durch landwirtschaftliche Nutzung (sog. „Amelioration“) Ergebnisse, wo noch Strukturen der Siedlung erkennbar waren.

Karte:

Während des 1. Jh. v. Chr. und im 1. Jh. n. Chr. wird die Siedlung weiter in die südliche Ebene verlagert und erlebt eine neue Blütezeit, von der viele Importe und ein neues repräsentatives Gebäude südöstlich der ursprünglichen Anlage zeugen. Nach einer Zerstörung im späten 1. bzw. frühen 2. Jh. n. Chr. wird die Siedlung wieder aufgebaut. Während des 3. und 4. Jh. n. Chr. erfolgt eine erneute Verlagerung, diesmal in östlicher Richtung. Aus dem 2. bis 1. Jh. v. Chr. könnte auch die Errichtung rechtwinkliger Straßensysteme stammen, die geophysikalisch im südlichen Bereich der Siedlung erkannt werden konnten.

Die Beschreibung Xenophons, welcher am Ende des 5. Jh. v. Chr. als Söldnerführer nach der verlorenen Schlacht von Kunaxa den Landstrich durchquerte, dürfte nicht allzu sehr von dem Bild abweichen, welches noch heute manches Dorf bietet: Die archäologischen Relikte bei Benjamin legen nicht nur in eindrucksvoller Weise Zeugnis von der Geschichte dieses Fundortes ab, sondern lassen uns auch einen Blick in die Vergangenheit Armeniens während des 1. Jt. v. Chr. werfen.Aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage wird der Ort immer wieder in das historische Geschehen Armeniens miteinbezogen und lässt somit anhand seiner archäologischen Hinterlassenschaften aus achämenidischer, hellenistischer und römischer Zeit das Wechselspiel aus Einflüssen fremder Kulturen und lokaler Traditionen erkennbar werden.

Die Arbeiten in diesem Grabungsgebiet sind vorerst abgeschlossen.

Grabungsgebiet Haykadzor

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Grabungsgebiet Jrapi

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Kategorie Allgemein

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

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