Die Schamanin – das Rätsel von Azatan

Bei einer unserer letzten Grabungen gelang uns das Unglaubliche: Wir legten ein überaus reich mit Beigaben ausgestattetes Grab einer etwa 18 Jahre alten Frau frei (S11). Doch wer war sie? Stand sie als Schamanin oder heilige Frau in Verbindung mit der Kultstätte ganz in der Nähe? Dieser Frage versuchen wir auf den Grund zu gehen und haben zur Finanzierung unserer Forschung ein archäologisches Growdfunding gestartet: https://www.startnext.com/shirak-armenien

Kein Baum, kein Strauch, soweit das Auge reicht eine karge und dennoch faszinierende Landschaft. Durchzogen von sanft ansteigenden Bergen und weiten Tälern, mit der bizarren Silhouette des Aragats am Horizont. So beginnt ein neuer Tag unter der glühend heißen Sonne Armeniens und mit viel Staub zwischen den Zähnen

Bereits am Tag zuvor lokalisierten wir ein Grab, das wir nun beginnen freizulegen.

Die übliche Form der Grabanlagen in der Shirak-Ebene sind Steinkreise und Felsengräber mit riesigen steinernen Deckplatten. Also kommt zunächst „schweres“ Gerät in Form unseres kleinen Baggers zum Einsatz.

Nach der Entfernung der Deckplatte geht die Feinarbeit los. Und schon die obere Schicht mit Funden zeigt ganz klar, dass es sich hier um eine besondere Bestattung handeln muss.

Was wir erwartet hatten, war ein weiteres Grab mit den üblichen Beigaben aus Gebrauchskeramik und eventuell einigen wenigen Schmuckstücken oder Pfeilspitzen. Sicherlich ein wichtiger Beitrag zur Erforschung der Lebensumständen der Ebenen-Bewohner in der späten Bronze- und frühen Eisenzeit.

Das Grab der Schamanin

Doch was wir fanden, war das ungewöhnlich reich ausgestattete Grab einer jungen Frau, etwa 18 Jahre alt.

Für ihr jenseitiges Leben hatte man sie mit einer großen Menge an fein gearbeitetem Schmuck ausgestattet. Darunter gewundene Armreife mit geschlagenen Verzierungen und Kettchen, deren Enden mit Kugeln besetzt sind. Das durchbrochene Muster dieser Kugeln ist sehr fein gearbeitet und zeugt von großem handwerklichem Geschick.

Das bemerkenswerteste unter all den Schmuckstücken ist jedoch ein dreieckiger Anhänger mit konischen Hänge-Elementen.

Wie sich bald zeigte, war diese Form der Anhänger, befestigt an langen Ketten, noch bis ins 19. Jahrhundert Teil des armenischen Trachtenschmucks. Das hieße, dass sich hier eine gefestigte Tradition über 3000 Jahre erhalten hat.

Bemerkenswert ist allerdings auch die Keramik, die unserer Dame mit ins Grab gegeben wurde.

Dazu muss man wissen, dass die damaligen Bewohner der Shirak-Ebene recht pragmatisch veranlagte Zeitgenossen waren. Und so gab man statt der „guten“ Töpfe und Gefäße lieber die schon etwas angeschlagenen, durch täglichen Gebrauch abgenutzten Keramiken mit ins Grab.

Nicht jedoch bei unserer Dame. Sie war mit Gefäßen von hoher Qualität ausgestattet worden. Fein gearbeitet, reich verziert und ohne die üblichen Gebrauchsspuren.

Alles in allem lässt also die Vielfalt und Qualität der Grabbeigaben auf eine besondere Position innerhalb ihrer Gruppe schließen.

Und das ist leider auch schon alles, was wir unserer Dame bisher an Geheimnissen entlocken konnten.

Warum erzählen wir Ihnen diese Geschichte?

Als Wissenschaftler widmen wir uns der Erforschung der Wurzeln des armenischen Volkes. Als Menschen jedoch befriedigen wir eine Neigung, die uns allen gemeinsam ist: unsere Neugier.

Wir sind neugierig und wir wollen wissen, was es mit unserer Dame auf sich hat.

War sie die Tochter oder Frau eines Fürsten oder Clan-Chefs? Oder stand sie als Schamanin oder heilige Frau in Verbindung mit der Kultstätte, die wir, ganz in der Nähe ihres Grabes, ebenfalls freilegen konnten?

Diese und auch viele andere Fragen können wir mit unseren herkömmlichen Grabungsmethoden nicht beantworten. Hier kommt die Naturwissenschaft ins Spiel.

Durch naturwissenschaftliche Analysen, wie der Radiokarbonmethode oder Messungen mit dem Rasterelektronenmikroskop, können Aussagen zu Alter und Zusammensetzung unserer Proben gemacht werden.

Anthropologen können durch eine eingehende Analyse des Skeletts Details zur Ernährung und dem Gesundheitszustand unserer „Schamanin“ liefern. Vielleicht können wir dann am Ende sogar sagen, warum sie so jung starb.

Archäologisches Crowdfunding

Trotz der großartigen Unterstützung durch das Landesdenkmalamt Sachsen-Anhalt, reichen unsere Mittel dafür nicht aus. Deshalb haben wir beschlossen neue Wege zu gehen und laden Sie ein, Teil unserer Forschung zu werden. Folgen Sie unserem Projekt auf:

www.startnext.com/shirak-armenien

Und wenn Ihnen unser Projekt gefällt, dann teilen Sie es gern mit Freunden und Verwandten.

Erzählen Sie mit uns die Geschichte der Schamanin von Azatan. Werden Sie Teil dieses Projektes und damit Teil dieser Geschichte.

Warum sollten Sie dieses Projekt untersützen?

Um die Worte Andrew Stantons ein wenig abzuwandeln:

„Eine archäologische Ausgrabung ist wie eine Geschichte zu entwickeln. Man fängt an zu graben, wo man glaubt, dass die Geschichte liegt. Und dann gräbt man immer weiter, bis man sie tatsächlich findet.“

Das Gefühl in diesem Moment ist unbezahlbar.

Als Wissenschaftler fühlen wir uns jedoch nicht nur unserer eigenen, menschlichen Neugier verpflichtet, sondern ebenso Ihrer und der jedes anderen interessierten Laien oder Wissenschaftlers.

Deshalb veröffentlichen wir unsere Erkenntnisse auf unserem Blog und stellen jedem frei, unsere Daten für seine eigene Arbeit zu nutzen und in neue Kontexte zu setzen.

Also warten Sie nicht länger. Werden Sie Teil einer mehr als 3000 Jahre alten Geschichte!

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