Kreisstruktur T20*: Mehrkammer-Cromlech

*Die Bezeichnung T20 für den Mehrkammer-Cromlech bezieht sich auf das Planquadrat auf dem Übersichtsplan rechts.
T20 Überblick

T20 Überblick

Eine weitere Kreisstruktur auf der Kuppe südlich der Zitadelle von Azatan mit einem Durchmesser von ca. 13,5 m ähnelt dem Cromlech R19 in seiner Konstruktionsweise: Das äußere Kreisrund wird von größeren Steinen gefasst. Gemeinsamkeiten gibt es ebenfalls im Südostviertel der Struktur T20. Hier besteht die Fassung aus zwei Steinreihen, wobei deren Zwischenraum mit kleineren Steinen verfüllt ist.

Im Inneren der Kreisstruktur wurden einzelne Bereiche durch Steine gefasst und die entstandenen Zwischenräume gepflastert. Im Großen und Ganzen entsteht bei T20 der Eindruck, dass hier mehrere kleinere Cromlechs in einen Größeren gesetzt worden sind.

T20 Plan

T20 Plan

Von den inneren Cromlechs waren vier kleeblattförmig (hellgrün / G1-G4) um eine zentrale Grabgrube (hellrot / G5) angelegt, welche mit 1,30 m x 1,00 m auch die Kleinste ist. Westlich davon fand sich ein vermutlich später angelegter, kleinerer Cromlech (dunkelgrün / G8). Südlich lassen sich zwei weitere Einbauten (gelb / G6+G7) erkennen.

Einige Knochenfunde lassen vermuten, dass wir es mit einer Grablege, einem Bestattungsplatz zu tun haben. Leider ist das Fund-Repertoire ansonsten sehr spartanisch: einige Keramikscherben, zwei Perlen aus Knochen und Karneol, ein Knochenstichel und ein Steinhammer waren alles, was wir freilegen konnten.

Die Kleinfunde stammen sämtliche aus der Humusschicht und bieten keinen zuverlässigen Anhaltspunkt zur Datierung.

Die Keramikfragmente aus G1 und G2 waren zum Teil mit Rädchenmuster verziert und lassen sich dem Ende der Mittleren Bronzezeit zuweisen.

Fazit zum Mehrkammer-Cromlech T20:

T20 entspricht in seiner Konstruktion am ehesten dem von Adam T. Smith in “The Archaeology and Geography of Ancient Transcaucasian Societies, Volume 1: The Foundations of Research and Regional Survey in the Tsaghkahovit Plain” beschriebenen Mehrkammer-Cromlech (budding).

Übersicht Mehrkammer-Cromlech

Übersicht Mehrkammer-Cromlech

Außerdem erinnert T20 an einen von der ArAGATS-Expedition ausgegrabenen Kurgan in Gegharot, welcher offenbar als Bestattungsplatz über einen längeren Zeitraum aufgesucht wurde. Die dort freigelegten Gefäße mit dem typischen Rädchenmuster der Sevan-Uzerlik-Gruppe sind dem Ende der Mittleren Bronzezeit zuzuordnen. Weitere Gefäße mit Politurmuster konten in die Späte Bronzezeit verortet werden. Dies stützt die Datierung von T20 in die Mittlere Bronzezeit. Dann könnte es sich um eines der frühesten Zeugnisse bronzezeitlicher Kulturen in Azatan handeln.

 

Kategorie Azatan, Grabung 2013, Nekropolen und Gräber

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar

wpDiscuz