Grubenhaus W21*: Ausdehnung, Bauphasen, Nutzung

*Die Bezeichnung W21 für das Grubenhaus bezieht sich auf das Planquadrat auf dem Übersichtsplan rechts.

Während der Grabung 2013 in Azatan konzentrierten sich unsere Untersuchungen hauptsächlich auf die direkt an die Befestigung angrenzenden Bereiche und den 2011/12 angelegten Schnitt II an der inneren Befestigungsmauer mit Grubenhaus.

Abb. 01: Grubenhaus W21

Abb. 01: Grubenhaus W21

Hier untersuchen wir seit 2011 ein westlich der inneren Befestigung gelegenes Grubenhaus, von dem die Nord-, Ost- und Westwand bis auf ca. 1,50 m erhalten sind. Desweiteren wurde bei unserer Grabung 2012 eine Mauer (Bef. A) zwischen dem Grubenhaus und der inneren Befestigung aufgedeckt.

2013 haben wir Schnitt II nach Osten und Süden um jeweils 2 m erweitert. So wollen wir den Zusammenhang zwischen Grubenhaus, neu entdeckter Mauer und innerer Befestigungsmauer sowie die endgültige Nord-Süd-Ausdehnung zu klären.

Bereits 2011 konnten wir auf Höhe des achämenidischen/hellenistischen Niveaus eine Grablegung ohne Kopf freilegen. 2013 entdeckten wir auf dem selben Niveau eine weitere Bestattung. Sie befand sich in einer Kiste aus Steinplatten, welche einen Teil der Westwand des Grubenhauses zerstört hatte. Die Lage des Skelettes ließ sich nicht mehr bestimmen, die Größe der Knochen zeigte jedoch, dass es sich um die Bestattung eines Kindes handelte.

Aufschlussreich für die Bestimmung der Bauphasen ist die Ostwand. Hier zeigt sich, dass der nördliche Teil der Mauer auf großen Steinen aufsitzt, bei denen es sich um einige herabgestürzte Blöcke der inneren Festungsmauer handeln muss. Weiterhin ist interessant, dass der Ostwand eine aus hochkant gestellten Steinen gesetzte Rinne folgt, die möglicherweise als Futterraufe für Tiere zu sehen ist.

Trotz der Schnitterweiterung konnte die südliche Abschlusswand nicht gefunden werden. Allerdings scheint der Süden des Grubenhauses mehrere Umbauphasen erlebt zu haben. Inwieweit diese mit einem 2,5 m tiefen Silo im südlichen Hausbereich in Zusammenhang stehen, bleibt vorläufig unklar. Die zeitliche Zuordnung des im Silo gefundenen Materials reicht von der Spätbronzezeit bis in die Eisenzeit.

Fazit zum Grubenhaus W21:

Das Grubenhaus wurde wahrscheinlich gleichzeitig mit der Festung errichtet. Es besaß eine wahrscheinliche Nord-Süd-Länge von 4,5 – 5 m, die Ost-West-Ausdehnung lässt sich nicht mehr bestimmen. Nach einer nicht genau zu bestimmenden Zeit verfiel die Festung und ein Teil der zyklopischen Blöcke der inneren Befestigung stürzte in das Grubenhaus, welches daraufhin repariert wurde. Ein Teil der verstürzten Blöcke wurde nun als Auflager für die aufgehende Ostwand benutzt. Parallel zur Ostwand wurde eine Rinne errichtet, die ihr Gegenstück an der Westseite fand. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Art Futterraufe. Somit wird in der zweiten Phase des Hauses eine Nutzung als Stall wahrscheinlich.

Unklar ist, ob die Erweiterung nach Süden, sowie die Anlage eines 2,5 m tiefen Silos ebenfalls zur zweiten Phase gehört oder ob dies erst nach dem Umbau zum Stall erfolgte. Zumindest blieb das Haus dann  eine geraume Zeit ungenutzt und verfiel. Erst in achämenidisch-hellenistischer Zeit lassen sich wiederum Aktivitäten beobachten. Zu dieser Zeit nivellierte man das Areal mit Hilfe großer Steinplatten und errichtete eine Mauer (Bef. A), deren Bestimmung unbekannt ist. In diese Zeit müssen auch die zwei Bestattungen (das Kind und der „Kopflose“) gehören. Da es zu dieser Zeit eher unüblich war, die Toten in der Siedlung zu bestatten, ist anzunehmen, dass die Gegend des Grubenhauses als Siedlungsplatz aufgegeben worden war.

Kategorie Azatan, Grabung 2013, Siedlung

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

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