Die Grubenhäuser von Azatan

Während der jeweils einen Monat dauernden Kampagnen 2011 und 2012  wurden in verschiedenen Bereichen der Siedlung Azatan Grabungen durchgeführt und es konnten vier Grubenhäuser freigelegt werden.

f dem Plateau wurde eine in den 1980er Jahren erfolgte Notgrabung von einer 5 m x 5 m auf eine 6 m x 10 m große Fläche erweitert. Die Konstruktion der Häuser vom sog. Hasarashen-Typ ist denkbar einfach. Für das Haus, aus einem oder auch mehreren Räumen bestehend, wurde eine Grube ausgehoben, gegen deren Wände unbearbeitete Steine mit einer geraden Seite zum Innenraum gesetzt wurden.

Grubenhäuser: Grubenhaus B mit Silo

Grubenhaus B mit Silo

Die Mauern der Grubenhäuser haben sich bis zu einer Höhe von einem Meter erhalten. Da der Wandabschluss der Erosion zum Opfer gefallen ist, lässt sich dieser nebst dem Dachaufbau nur mittelbar rekonstruieren. Hierbei helfen schriftliche Überlieferungen und ein Blick auf die „modernen“ Grubenhäuser. Solche trifft man im nur 4 km entfernten Aykabat an. Die Grubenhäuser des Ortes sind sowohl in den Hang als auch in die Ebene gebaut. Die meisten existieren nur noch als Ruine, einige wenige dienen noch als Stall oder Heulager, aber auch als Kapelle oder Wohnhaus.

Die Beschreibung Xenophons, welcher am Ende des 5. Jh. v. Chr. als Söldnerführer nach der verlorenen Schlacht von Kunaxa den Landstrich durchquerte, dürfte nicht allzu sehr von dem Bildabweichen, welches noch heute manches Dorf bietet:

„Die Wohnungen waren unterirdisch, der Eingang glich einem Brunnenschacht, unten waren sie aber geräumig. Die Eingänge für die Zugtiere waren abgegraben, die Menschen aber stiegen auf Leitern

hinunter. In diesen Häusern fanden sich Ziegen, Schafe, Rinder, Geflügel und ihre Jungen. Alle Tiere wurden drinnen mit Grünfutter gefüttert. Es gab auch Weizen, Gerste, Hülsenfrüchte und Gerstenwein in Mischkrügen. Obenauf schwammen noch Gerstenkörner, auch Halme lagen drinnen, größere und kleinere, also ohne Knoten. Wenn jemand Durst hatte, so mußte er sie in den Mund nehmen und saugen. Der Wein war sehr stark, wenn man nicht Wasser zugoß; er schmeckte ganz angenehm, wenn man sich daran gewöhnt hatte.“ (Xen. An. IV 5, 25-27)

Grubenhäuser als optimale Bauform

Bis auf den mit Strohhalmen getrunkenen Gerstenwein haben Lebens- und Bauweise bis heuteüberdauert. Die Grubenhäuser, das zeigt ihre weite Verbreitung und ihr Überleben bis in die Neuzeit, waren die dem Klima und den vorhandenen Rohmaterialien – Steine gibt es im Überfluss, Holz ist Mangelware – angemessene Bauform. Da die Steine gegen die Grubenwände gesetzt wurden, brauchten sie nicht extra behauen zu werden. Die Grube hatte weitere Vorteile: Das umliegende Erdreich isolierte gleichzeitig und glich die extremen Temperaturschwankungen des kontinentalen Klimas aus. Die Dachkonstruktion des so genannten Hasarashen-Typs verlangte lediglich für die Stützbalken längere und gerade Hölzer. Den pyramidalen Oberbau konnte man mit relativ kurzem und verkrüppeltem Holz errichten. Die für die Grube abgenommene Grasnarbe und die ausgehobene Erde wurden direkt wieder auf das Dach gelegt, so dass auch hier eine gute Isolierung erreicht wurde.

Die Plateau-Siedlung von Azatan zeigt, dass bei Aufgabe eines Hauses oft ein neues in direkter Nachbarschaft angelegt wurde. Daraus entstand im Laufe der Zeit ein regelrechtes Labyrinth agglutinierter Grubenhäuser.

Kategorie Azatan, Grabungen 2011/2012

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

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