Grab S11*: Katakombengrab? mit reichen Beigaben

*Die Bezeichnung S11 für das Katakombengrab bezieht sich auf das Planquadrat auf dem Übersichtsplan rechts.
Abb. 1: Überblick über Katakombengrag S11

Abb. 1: Überblick über Katakombengrag S11

Azatan erstreckt sich über zwei Hügel getrennt durch ein tief eingeschnittenes Erosionstal, den Canyon. In der Ostwand dieses Canyons fand sich eine Öffnung, die sowohl der Zugang zu einem Fuchsbau aber auch das Ergebnis einer Raubgrabung hätte sein können. In diesem Bereich war eine grünliche Verfärbung des Erdreiches zu beobachten, die auf oxidiertes Kupfer deutete. Im Rahmen einer Sondage stießen wir auf ein ungewöhnlich reich mit Beigaben ausgestattetes Grab.

Ob es sich bei dem Zugang durch den Fuchsbau um den Originaleingang handelt konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden. Wahrscheinlicher ist, dass das Grab von oben in den Fels eingetieft wurde, der hier durch das ablaufende Schmelzwasser sehr porös ist. Sollte sich diese Annahme bestätigen, handelt es sich bei S11 um ein weiteres Katakombengrab.

Fundsituation im Katakombengrab

Die Grabkammer von S11 ist oval angelegt und wurde nur verschlossen, aber nicht gänzlich mit Erde verfüllt. Das lässt sich gut daran erkennen, dass einzelne Beigaben umgestoßen und Knochen des bestatteten Skelettes verschleppt worden sind.

Allgemein war das Skelett – offenbar durch Tiere – stark gestört. Rekonstruiert werden konnte jedoch die Lage. Demnach fand die Bestattung in gehockter Position, Kopf nach Süden mit westlicher Blickrichtung statt.

Bemerkenswert sind bei S11 sowohl die Vielzahl aber auch die Art der Grabbeigaben. Anhaltspunkte zur Datierung liefern hier wieder die Keramikfunde. Speziell das große Vorratsgefäß mit aufgesetzter Zierleiste lässt sich der Mittleren bis Späten Bronzezeit zuordnen. Darüberhinaus konnte eine Fülle an Schmuck und Zierelementen freigelegt werden, was eindeutig auf die Bestattung einer weiblichen Person hinweist. Die überdurchschnittlich reiche Ausstattung lässt zudem vermuten, dass es sich um eine Person mit herausragender Stellung gehandelt haben muss.

 

Ob es sich aufgrund der vielen Glöckchen und des „Percussion-Schmucks“ um eine Art Schamanin gehandelt haben könnte, bleibt vorerst Spekulation. Für eine gesicherte Aussage ist uns über die eisenzeitliche Gesellschaft, speziell die Position der Frau in dieser, zu wenig bekannt. Hinweise könnten hier jedoch ethnografische Parallelen liefern. Wie sich zeigt, gehörten dreieckige Anhänger mit Kettchen und Glocken an langen Ketten getragen noch im 19. Jahrhundert zur lokalen Tracht in Aleksandropol/Gyumri.

Es schein plausibel, dass solcher Schmuck über viele Generationen vererbt wurde und nur in ein Grab gelangte, wenn er aufgrund fehlender Nachfahren keinen Besitzer fand.

Abschließend kann gesagt werden, dass S11 uns trotz oder gerade wegen der ungewöhnlichen Fundsituation viele Rätsel aufgibt, deren Lösung wir uns verstärkt widmen werden.

Kategorie Azatan, Grabung 2013, Nekropolen und Gräber

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

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