Die Geografie in und um die Shirak-Ebene

Geografie der Shirak-Ebene

Die Shirak-Ebene bildet eine Mikroregion. Sie wird im Norden vom Kleinen Kaukasus gegen die Kura-Niederung und die Kolchis abgeschirmt. Die Niederung der Kura ist jedoch durch das Debed-Tal und die Kolchis über den Pass bei der Ortschaft Bavra recht einfach zu erreichen. Somit bilden die Gebirgszüge zwar eine Temperatur- und Niederschlagsbarriere gegen die deutlich feuchteren Gebiete im Norden, jedoch keine unüberwindbare Grenze für den Menschen.

Im Osten wird die Ebene durch den Bogen des Pambak- und des Tsaghkunyats-Berglandes begrenzt, welcher im Südosten auf das Aragats-Massiv trifft. Die Grenze nach Süden hin ist weniger klar zu beschreiben, folgt jedoch in etwa der Grenze der Provinz Shirak, von wo aus das Gelände stufenweise zum Araxes-Tal hin abfällt. Im Westen reicht die Siedlungskammer weit über die heutige Staatsgrenze am Achurjan hinaus bis zur Vanand-Ebene in die Gegend von Kars. Mit einer Ost-West-Ausdehnung von knapp 100 km und einer Nord-Süd-Breite von ca. 40 km bietet die Ebene 4000 qkm landwirtschaftlich nutzbares Land. Eine der größten zusammenhängenden Ackerflächen Südkaukasiens, welche hauptsächlich aus fruchtbarer Schwarzerde besteht. Die landwirtschaftliche Nutzbarkeit setzt unter heutigen, semi-ariden Klimabedingungen jedoch eine regelmäßige Bewässerung in den Sommermonaten voraus. Ähnliche Bedingungen scheinen nach Ausweis wasserbaulicher Anlagen bereits in vergangenen Zeiten geherrscht zu haben. Dies belegt eindrucksvoll eine solche Anlage bei der Festung Azatan.

Azatan: Blick auf die Shirak-Ebene

Azatan

Landwirtschaft und Handel in der Shirak-Ebene

Der fruchtbare Boden, sich selbst überlassen, bringt darüber hinaus eine als Weideland nutzbare Grassteppe hervor, welche von nomadisch und seminomadisch lebenden Gesellschaften rege frequentiert wurde und wird.

Aufgrund ihrer Lage durchlaufen die Shirak-Ebene bereits seit prähistorischer Zeit wichtige Verkehrsachsen. Diese verbinden die reichen Metallvorkommen des Großen Kaukasus mit den südlich gelegenen Hochkulturen. Und in West-Ost-Richtung auch Inneranatolien mit dem Kaspischen Meer und einer nördlichen Route der Seidenstraße. Weitreichende Handelsverbindungen spielten für die Bewohner der Ebene im Rahmen der Rohstoffbeschaffung eine Rolle. Gleichermaßen aber auch für die Vermittlung von Wissen und Technologien. Die verkehrstechnisch günstige Lage und die damit verbundene Durchlässigkeit in verschiedene Himmelsrichtungen hatte jedoch auch eine Kehrseite. So boten sich dadurch zahlreiche Einfallstore für marodierende Nomadenstämme auf der Suche nach neuen Weidegründen und dem Reichtum fremder Kulturen. Gunstfaktoren für die Besiedlung der Ebene waren die Erzlagerstätten in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Goldvorkommen von Bolnissi im heutigen Georgien oder auch die Kupferlagerstätten von Alawerdi waren innerhalb von zwei Tagesmärschen zu erreichen. Darüber hinaus waren die Obsidianvorkommen um Arteni, Aghvori etc. von wesentlicher Bedeutung.

Topographie der Shirak-Ebene

Die Shirak-Ebene in der gleichnamigen, nordwestarmenischen Provinz gehört topographisch zu Transkaukasien. Der aus dem Russischen übernommene Name beschreibt ein Gebiet jenseits des großen Kaukasus. Es umfasst die weiten Flusstäler des Rioni und der Kura sowie den Kleinen Kaukasus und die südlich anschließende Berglandschaft. Gelegen auf dem Gebiet der heutigen Republiken Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Der Kleine Kaukasus reicht vom Pontischen Gebirge im Nordwesten bis zum Elburs-Gebirge südlich des Kaspischen Meeres. Und endet bei den Zagros-Bergen im westlichen Iran. Er bildet das südliche Pendant zu seinem großen Bruder im Norden und bildet eine Art Riegel zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer.

Die hoch aufragenden Bergketten sind das Ergebnis plattentektonischer Bewegungen. Sie resultieren aus dem Vorrücken der Arabischen Platte gegen die Eurasische Platte im Norden. Diese tektonisch aktive „Knautschzone“ wird häufig von Erdbeben heimgesucht. Sie ist die Geburtsstätte zahlreicher Vulkane, welche das über Jahrtausende begehrte Vulkanglas, den Obsidian, lieferten.

Berge und Flusstäler gliedern das Relief Transkaukasiens in verschiedene Mikroklimaregionen. Schwankungen der Temperatur und der Niederschlagsmenge wirken sich innerhalb dieser Regionen gravierend aus und führten oft zu massiven Veränderungen des Siedlungsmusters und der Subsistenzwirtschaft der in Transkaukasien lebenden Gesellschaften.

Kategorie Allgemein

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

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