Die Festung von Azatan

Im Bereich der Festung wurden in den Kampagnen 2011/12 mehrere Grabungsschnitte angelegt. Damit sollten vor allem Fragen hinsichtlich des Aufbaus und der Gründungszeit der Anlage geklärt werden.

Festung: Schnitte und ihre Befunde

Zwei Grabungsschnitte wurden im Süden der Festung geöffnet. In diesem Bereich treffen die innere und die äußere Befestigungsmauer auf eine Ost-West-verlaufende Erosionsrinne, welche wiederum in den großen Canyon mündet.

Schnitt I

Schnitt I erbrachte außer einigen mittelalterlichen Scherben keine Ergebnisse. Die hier verfolgte Anschlussmauer, welche den äußeren Riegel mit dem inneren zu verbinden schien, konnte nicht verifiziert werden. Mit der Grabung in Schnitt I wurde untersucht, ob die äußere Befestigungsmauer gleichzeitig mit der inneren existierte und wie sich der Anschluss der äußeren Mauer an die innere Befestigung gestaltete.

Festung Azatan

Festung Azatan

Schnitt II

In Schnitt II galt es in erster Linie, den Verlauf der inneren Befestigungsmauern zu klären.

Zunächst jedoch wurde nach Abnahme des Humus ein Grab aufgedeckt. Der Tote lag in einer unnatürlich gestauchten Position, welche vermuten lässt, dass man Beine und Arme fixiert hatte. Er war nach Norden orientiert und auf der rechten Körperseite niedergelegt worden. Der Schädel des Skelettes fehlte. Ob dieser Umstand ein Indiz für einen gewaltsamen Tod ist, ist unklar; in Nekropole III in Azatan wurde der Schädel eines Skeletts in einer beigegebenen Schale gefunden. Aus der zum Grab gehörigen Schicht stammen bemalte Keramikfragmente von sog. Pilgerflaschen. Diese Keramikform tritt bereits im zweiten Jahrtausend v. Chr. sowohl in Mesopotamien als auch in Troja auf, in Transkaukasien verbreitete sie sich allerdings erst in der fortgeschrittenen Achämenidenzeit und bleibt bis in das 1. Jh. n. Chr. beliebt.

Drei bemalte Fragmente eines kleinen Bechers mit Trichterrand liefern einen genaueren Hinweis auf den terminus ad quem des Grabes. Solche Becher finden sich auf dem Relief des Apadana von Persepolis wieder, wo sie zweifellos als Metallgefäße zu verstehen sind. Die Gabenbringer-Reliefs wurden noch am Ende des 6. Jh. v. Chr. für den Dareios-Palast gefertigt und belegen, dass Gefäße dieser Form zu der Zeit „in Mode“ waren. Somit darf man die jüngste Schicht mit dem Grab in achämenidische Zeit datieren.

Innere Befestigungsmauer

Eine weitere Untersuchung in Bezug auf die Festung wurde an der inneren Befestigungsmauer vorgenommen. Hier suggerierte das Fehlen großer Blöcke eine Art Eingangstor, welches allerdings verteidigungstechnisch an dieser Stelle wenig Sinn ergeben hätte. In einem 5,0 m x 2,50 m großen Schnitt hatten wir hier erstmals die Möglichkeit zu überprüfen, bis zu welcher Höhe die Verteidigungsmauer noch erhalten war. Die Grabungen bewiesen, dass der Eingang nicht zum originalen Plan der Festung gehörte, sondern erst in späterer Zeit angelegt worden war.

Zur frühesten Phase, die wahrscheinlich mit der Errichtung der Festung zu synchronisieren ist, gehören verworfene Keramikfragmente aus vier Abfallgruben von 1,70 m Tiefe. Sie stammen aus der Zeit zwischen dem 11. Jh. und 9. Jh. v. Chr.

Die freigelegte Festungsmauer war bis zu einer Höhe von 2,50 m erhalten. Sie ist aus großen Steinen trocken gesetzt worden, wobei größere Lücken zwischen den Blöcken mit kleinen Steinen ausgefüllt wurden.

Was ergibt sich daraus?

Zu einem noch nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt wurde die Festung aufgelassen und blieb wahrscheinlich bis in achämenidische Zeit ungenutzt. Erst dann begann man, die innere Festung zu säubern, wobei man alle unbrauchbaren Materialien über die Mauer kippte und daraus eine Rampe gegen die Festungsmauer anlegte, um den Zugang zum Festungsinneren zu erleichtern. Damit büßte die Befestigung natürlich jedwede Funktion als solche ein. In dem Abfallberg fand sich zum Teil hervorragende, hoch polierte schwarze Keramik der mittleren Spätbronzezeit, welche zeigt, dass dies die Blütezeit der Festung gewesen sein muss.

Die Anlage der Rampe und der damit einhergehende Funktionsverlust der Befestigung entsprechen ganz und gar dem Zeitgeist. Mit der Etablierung der Achämenidenherrschaft kam es erstmalig zu relativ stabilen Verhältnissen. Die pax persica konnte zwar Aufstände nicht verhindern, brachte aber doch weiten Teilen des Reiches Ruhe und Wohlstand. Dies findet Ausdruck in neu angelegten Siedlungen, wie beispielsweise Benjamin (Drashkhanakert), ca. 5 km südwestlich von Azatan. Die Siedlung und der zugehörige Palast lagen unbefestigt in der Ebene.

In diese Zeit dürften auch die fünf Strukturen – wahrscheinlich ebenfalls Silos – im Inneren der Festung gehören. In einem der Silos wurde ein einzelner Schädel geborgen. Es ist jedoch nicht zu verifizieren, ob er zu dem kopflosen Skelett aus Schnitt II gehört. Aus den anderen Silos stammen neben Keramik auch eine bronzene Stielpfeilspitze sowie zwei Spinnwirtel.

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar

wpDiscuz