Cromlech R19*: Kreisstruktur mit sakraler Bedeutung?

*Die Bezeichnung R19 für die Kreisstruktur bezieht sich auf das Planquadrat auf dem Übersichtsplan rechts.

Eine Kreisstruktur auf der Kuppe südlich der Befestigung von Azatan erweckte unser besonderes Interesse.

Der Steinkreis R19 wurde lediglich für die kommende Grabung 2014 vorbereitet. Er weist jedoch einige interessante Besonderheiten auf, die nicht unerwähnt bleiben sollen.

Fakten zu dieser Kreisstruktur:

Es handelt sich um einen zweischalig gesetzten Steinkreis mit einem Durchmesser von 24,5 m. Im Süden markieren zwei aufrecht stehende Steine eine Passage von 2,30 m. Nachdem die Grasnarbe im Nord-West-Viertel dieses Cromlechs entfernt wurde, zeigte sich eine Senke zur Mitte der Kreisstruktur. Diese war mit kleineren, bis 20 cm großen Steinen befüllt. Diese könnten aus der ursprünglichen Abdeckung der Senke stammen, was die Möglichkeit nahe legt, dass der vermutliche Grabbezirk R19 bereits beraubt worden ist.

Als einzigen einigermaßen aussagekräftigen Fund konnten wir einige schwarz polierte Fragmente eines Topfes mit Rillen- und Wellenverzierung sichern. Diese Art der Keramik hat allerdings eine recht lange Laufzeit von der Spätbronze- bis zur Frühen Eisenzeit. Das macht eine grobe zeitliche Verortungmöglich, ist zur genauen Datierung jedoch ungeeignet. Abgesehen davon wurden die Fragmente außerhalb des Cromlech direkt unter der Grasnarbe gefunden und könnten somit durchaus auch zu einem späteren Zeitpunkt und unabhängig von der Steinsetzung dorthin gelangt sein.

Die Besonderheiten von R19

Interessant an der Kreisstruktur R19, ist ihr immenser Durchmesser. Meist haben die bislang ausgegrabenen Cromlechs, die der Spätbronze- bzw. Frühen Eisenzeit zuzuordnen sind einen weit geringeren Durchmesser. Parallelen finden sich bei den Grabanlagen im nordost-anatolischen Bayburt, welche in die Mittelbronze- bis Spätbronzezeit datiert sind. Möglicherweise ist die Struktur R19 ebenfalls dieser Zeitstellung zuzuordnen. Eine weitere Parallele findet sich in Azatan selbst. Auf dem Westhügel, nahe der Westhang-Siedlung zeichnet sich eine ähnlich konstruierte Kreisstruktur ab, welche aufgrund ihrer Lage vermutlich früher als die Siedlung selbst zu datieren ist.

Möglicherweise handelt es sich bei R19 um die Überreste einer Ritual- oder Sakralanlage, wie sie von Alessandra Gilibert, Arsen Bobokhyan und Pavol Hnila identifiziert worden sind. Speziell untersucht wurden von ihnen die sogenannten Višaps (Drachensteine) und deren Verbindung zu großen Steinkreisen. Diese ließen sich zumeist auf hochgelegenen Sommerweiden in der Nähe von Wasserläufen beobachten – Merkmale, die auf die beiden Anlagen in Azatan ebenfall zutreffen.

Kategorie Azatan, Grabung 2013, Nekropolen und Gräber

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

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