Steinkreis O14*: Katakombengrab mit Cromlech

*Die Bezeichnung O14 für den Cromlech bezieht sich auf das Planquadrat auf dem Übersichtsplan rechts.
Abb. 1: Cromlech O14

Abb. 01: Cromlech O14

90 Meter süd-südwestlich der Festung Azatan befindet sich ein aus bis zu 70 Zentimeter großen Blöcken gesetzter Steinkreis (Cromlech) mit einem flachen Stein im Osten, der vermutlich den Eingang zu einer unterirdischen Grabkammer markiert. Als eigentliche Grabstätte wurde ein Felsüberhang genutzt, der sich nach Westen schachtartig (1,50m x 0,8m) in den Fels erstreckt. Ein solcher Aufbau ist unter den bislang in Azatan untersuchten, zeitgleichen Gräbern einzigartig. Diese besitzen zwar häufig einen Cromlech, jedoch umschließt er in der Regel eine einfache Grabgrube.

Im Schacht von O14 konnten drei Bestattungen mit verschiedenen, z. T. fragmentierten Keramikgefäßen nachgewiesen werden.

Bei der frühesten Grablegung handelt es sich um einen im Sitzen bestatteten Erwachsenen, der ursprünglich mit dem Rücken an einem Stein lehnte. Aufgrund der Fundsituation muss dieser später allerdings vornüber gefallen sein. Als Beigabe konnten wir zwei bronzene Armringe und ein vollständig erhaltenes graues Keramikgefäß mit polierter Oberfläche von sehr guter Qualität zuordnen.

Über dieser frühesten Bestattung fand sich eine weitere Sitz-Bestattung. Der Tote lehnte an der südlichen Wand des Grabschachtes mit Blick nach Norden. Zu dieser Bestattung gehörten mehrere Keramikgefäße und ein eiserner Gegenstand, bei dem es sich wahrscheinlich um ein Messer handelt.

Die Lage der letzten Bestattung ließ sich nicht mehr rekonstruieren. Offensichtlich waren die schweren Verschlusssteine, welche den Zugang zum Schacht versiegelten, in das Grab gefallen und hatten neben den beigegebenen Gefäßen auch das Skelett in Mitleidenschaft gezogen.

Fazit zu Cromlech O14:

Die katakombenartige Anlage des Grabes O14 ist in Azatan bislang einmalig. Findet seine Pendants jedoch in der Shirak-Ebene, speziell in Artik und Voskeask. In Artik enthalten die späten Gräber, ähnlich wie bei O14 in Azatan, Mehrfachbestattungen und auch die beigegebene Keramik weist auffällige Ähnlichkeiten auf. Die letzte Gruppe der Artik-Gräber wurde, ebenso wie die Gräber in Voskeask, in die Frühe Eisenzeit datiert. Dieser Zeit ist auch das Katakombengrab von Azatan zuzuordnen. Es ist davon auszugehen, dass es in der Frühen Eisenzeit über einen längeren Zeitraum als Bestattungsplatz genutzt worden ist. Ob es sich hier um ein Familiengrab handelt, wäre nur mit Hilfe eines DNA-Test zu verifizieren.

Der auffälligste Unterschied des Grabes in Azatan zu den Gräbern in Artik und Voskeask ist jedoch der Cromlech, da ein solcher weder in Artik noch in Voskeask vorhanden ist. Zu beachten ist zwar, dass der Cromlech nicht von Anfang an zur Anlage in Azatan gehört haben muss. Jedoch macht die Kombination Cromlech-Katakombengrab diese Anlage in der Shirak-Ebene bis dato einmalig.

Kategorie Azatan, Grabung 2013, Nekropolen und Gräber

Dorothea Mauermann. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Abitur mit Schwerpunkt Latein/ Alt- Griechisch, studierte ich ab 1999 an der MLU Halle- Wittenberg, der Ege-Üniversitesi Izmir und am RCAC Istanbul: Klassische und Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte und Alt- Griechisch. Meine Verbindung zum Kleinen Kaukasus entstand bereits 2001/2 während unserer Grabungskampagnen in Ostgeorgien. Über 10 Jahre arbeitete ich an der kleinasiatischen Küste auf den Grabungen von Didyma und Tavsan Adasi. Seit 2011 betreue ich als Schnittleiterin in Azatan/Armenien die Feldarbeiten. Darüber hinaus promoviere ich zum Thema: "Münzprägungen persischer Granden an der kleinasiatischen Küste" und arbeite bei der Ev. Stadtmission Halle in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als Archäologin gehöre ich zum Grabungsteam in Armeniens Shirak-Ebene. Sie können mich auch bei Facebook, Twitter und Google+ finden.

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